Wer Ordnung hält…

…ist nur zu faul zum Suchen.
Dachte ich früher immer. Und, dass ich endlich nie wieder aufräumen muss, wenn ich meine eigene Wohnung habe.
Mittlerweile habe ich schon eine ganze Weile meine eigene Wohnung (10 Jahre! Ohje, ich werde wohl alt…) und stelle immer mehr fest, dass Ordnung wohl doch nicht sooowas Schlechtes ist.
Und weil Entrümpeln sich am Anfang eines neuen Jahres ja immer gut macht (Gute Vorsätze, Neustart und so…) und ich mich schon eine ganze Weile mitten in diesem Prozess befinde, möchte ich mal ein bisschen darüber berichten.
Mittlerweile bin ich zu der festen Überzeugung gekommen, dass Ausmisten glücklich macht. Man fühlt sich irgendwie freier, unbelasteter durch den ganzen Kram, der in der Wohnung rumfliegt, einstaubt oder ständig von einer Ecke in die andere wandert, weil man nicht so recht weiß, wohin damit. Weil man ihn ja irgendwann nochmal brauchen könnte…ja, sicher doch.
Sind wir doch mal ehrlich – Die Muscheln, die wir alle im Urlaub sammeln, um damit zuhause was Schönes zu basteln, vergammeln danach in ihrer Plastiktüte. Das tolle Paar Schuhe mit den monstermäßigen Absätzen, das wir damals unbedingt haben mussten, steht im Schrank, weil man darauf nicht mal vom Büro bis in die Kaffeeküche laufen kann, ohne sich einen Bänderriss zu holen. Aber wegschmeißen? Die haben mal 120 € gekostet! Und in meinem speziellen Fall: Der vierunddrölfzigste Strang Wolle oder Spinnfaserkammzug, den man in genau dieser Farbe bestimmt noch nicht hat! Und er glitzert! Den kann man doch nicht einsam da liegen lassen!
Kenne ich alles.

Also, Butter bei die Fische und vielleicht doch mal genauer hinterfragen, was man von dem ganzen Krempel WIRKLICH haben will. Das ist bei manchen Sachen leichter – z.B. bei der zu kleinen Jeans, die schon ewig im Schrank liegt und darauf wartet, dass meine Schokoladensucht nachlässt – bei anderen fällt es mir ungeheuer schwer – Beispiel Wolle…
Das Ganze ist also ein Prozess, und ich stecke noch mittendrin. Von manchen Dingen habe ich definitiv zu viel, will mich aber (noch) nicht trennen. Punkt.

Ich versuche, mich beim Ausmisten an ein paar grundlegenden Fragen zu orientieren:

  • Habe ich das Teil in den letzten 12 Monaten benutzt, bzw. getragen (z.B. bei Kleidung)?
  • Habe ich konkrete Pläne damit (z.B. bei Bastelmaterial oder Wolle)

Und schließlich, wenn nein: Hänge ich emotional so sehr daran, dass ich es trotzdem behalten will?


Wenn ich alle drei Fragen mit „Nein“ beantworten kann, fliegt das Teil raus. In den Müll, zur Kleiderspende, in den öffentlichen Bücherschrank oder zu Freunden, die es haben wollen. Ich muss gestehen, dass ich schlicht zu faul bin, alle meine ungeliebten Sachen via Internet oder Flohmarkt weiterzuverkaufen…
Auf diese Weise habe ich schon einige Ecken meiner Wohnung erfolgreich durchforstet:
In meinem Kleiderschrank sind nur noch Sachen, die ich wirklich mag und oft trage (bis auf einige schickere Teile für besondere Gelegenheiten).
In meinen Bücherregalen stehen nur noch Bücher, die ich gerne immer wieder lese.
Meine lose Rezepte-Blattsammlung habe ich rigoros zusammengestrichen und zu großen Teilen digital zu Pinterest verlegt.
Auch Wohnideen, Strick- und Schnittmuster sammle ich mittlerweile fast ausschließlich digital, fast alle Zeitschriften sind rausgeflogen.


Das klingt jetzt, als wäre ich super konsequent darin, Sachen rigoros auszusortieren. Stimmt natürlich nicht. Ich werde wohl nie ein Minimalist werden, und das will ich auch garnicht. Ich mag es, mich mit vielen schönen Dingen zu umgeben, und gerade für kreative Hobbies „braucht“ man nunmal eine gewisse Menge Kram.
Aber: Ich möchte, dass jedes Teil in meiner Wohnung einen Zweck erfüllt, eine Geschichte erzählt oder mir sonstwie wichtig ist ♥

Wichtig: Einkaufsverhalten!
Damit nach der ganzen schönen Ausmisterei nicht alles wieder von vorn anfängt, lautet das Motto: Bewusster einkaufen! Klappt auch nicht immer. Aber manchmal.

Auch hier wieder ein paar grundlegende Fragen:

  • Habe ich etwas Ähnliches schon?
  • Habe ich konkrete Pläne damit?
  • Handelt es sich wirklich um einen Herzenswunsch oder eher um einen Lustkauf?

Ein paar Tricks habe ich mir für mich selber zurechtgelegt, um dem Kaufwahn zu entgehen:
Lebensmittel möglichst frisch kaufen, wenn man schon weiß, was man damit machen will. NIE hungrig einkaufen gehen!
Wolle und Spinnfasern nur für konkrete Projekte kaufen (fällt mir manchmal SEHR schwer!)
Werbung meiden! An meinem Briefkasten klebt ein „Bitte keine Werbung / kostenlose Zeitungen“ – Schild, das hilft schonmal enorm. Auch gut: Email-Newsletter abbestellen. Habe ich sowiso selten gelesen.
Wunschlisten anlegen: Geht bei den allermeisten Onlineshops. So kann man gut nochmal in Ruhe über die Fragen von oben nachdenken. Manche Dinge versauern dann auf der Liste und werden nach einiger Zeit einfach wieder gelöscht.

P.S.: Und du? Konsumgöttin oder Minimalistin?   
P.P.S.: Wenn jemand die Mörderhacken von oben haben will, meldet euch! Wir werden uns einig!   ♥