{Look @ locks} – Islandlamm “Black Beauty”

Bald beginnt die Schafschursaison, es wird also allerhöchste Eisenbahn, sich ein bisschen den Beständen vom letzten Jahr zu widmen!

Als erstes bin ich einem Pröbchen schwarzer Islandlammwolle zu Leibe gerückt, dass ich von meiner lieben Wollkumpanin Laura geschenkt bekommen habe. Islandwolle kennt man. Denkt man. Die kratzt. Denkt man auch. Mittlerweile kann ich dazu nur sagen: Man denkt falsch!

Die Wolle stammt tatsächlich direkt aus Island, von Karólínas Hof Hvammshlíð zwischen Sauðárkrókur und Blönduós in Nordisland. Auf ihrer Homepage gibt Karólína Tipps zum Umgang mit der Wolle. Unter anderem soll sie ungewaschen verarbeitet werden und erst nach dem Spinnen ins Wasser. Kein Problem, denn das Vlies war sehr sauber. Keine Verklebungen, und ein bisschen Lanolin ist schließlich auch gut für die Hände. Außerdem duftet die Wohnung nun herrlich nach Lämmchen! 🙂


Islandwolle besteht wie die meisten “primitiven” Wollarten aus langem, festem Deckhaar, das das Schaf vor Wind und Wetter schützt, und einer flaumigweichen, kuscheligwarmen Unterwolle. Klar, die Islandwolle, die man unter dem Namen Lopi (was schlicht “Wolle” heißt) mittlerweile überall kaufen kann, die kratzt schon. Denn da werden bei der Verarbeitung die Deckhaare und die Unterwolle nicht getrennt, was zu einer Art Mischgarn führt. Und das kratzt dann eben.

Wenn man so ein Vlies aber von Hand verarbeitet, kann man ganz einfach die beiden Schichten trennen und einzeln verarbeiten. Einfach an der Wurzel und der langen Spitze anfassen und auseinanderziehen. Geht mit ein bisschen Übung ganz ohne Gewalt!

Fast 28 cm lang sind die Locken mit dem Deckhaar. Der dicke Teil am Wurzelende ist die Unterwolle.

Auseinanderziehen der beiden Faserarten

Die flauschige Unterwolle (vorne im Bild) ist kuschelweich und fühlt sich fast wie Kaschmir an, zumindest aber steht sie Merinowolle in Sachen Weichheit in nichts nach! Man kann sie direkt aus der Flocke verspinnen, ich habe sie aber zusätzlich nochmal durchgekämmt, damit das Garn noch glatter und gleichmäßiger wird. Im kurzen Auszug mit mittlerer Übersetzung versponnen und zweifach verzwirnt gibt das ein wunderschönes, glänzendes Garn, auf dessen Trageeigenschaften ich schon sehr gespannt bin!

Das Deckhaar…kann man verspinnen. Muss man aber nicht. Zumindest ungewaschen habe ich bisher noch keine Möglichkeit gefunden, da ein gleichmäßiges Garn hinzubekommen. Denn die Fasern sind sehr lang, glatt und fest und lassen sich durch das Lanolin praktisch gar nicht ausziehen. Vielleicht geht das besser, wenn man sie doch zuerst wäscht. Werde ich ausprobieren. In jedem Fall gäbe das ein ultrastabiles Garn!

Links: Aus der Flocke gesponnen und navajoverzwirnt. Rechts: Gekämmt und 2fach verzwirnt

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.