Neue alte Schätze

Es war einmal vor langer, langer Zeit…

…da bekam ich einen ganzen Stapel alte Bettlaken aus Bauernleinen geschenkt. Die Besitzerin hatte sie wohl selber geerbt und keine Verwendung dafür. Es spricht sich offensichtlich rum, dass ich für Textilien aller Art empfänglich bin und „Nein“ sagen auch nicht so meine Stärke ist 🙂

Ich liebe solche richtig alten Stücke sehr. Das Leinen ist auf jeden Fall handgewebt, ob auch handgesponnen, kann ich aber nicht sagen.

Man erkennt noch die schmale Webbreite der alten Webstühle: Eine Bahn ist ca. 1,20m breit, sodass die Laken aus zwei Streifen zusammengesetzt wurden.

Genäht wurde von Hand, winzig kleine Stiche mit weißem Garn. Wie viele Stunden Arbeit bei schummerigem Kerzenlicht stecken da wohl drin? Und wie hat sich die Näherin (ich gehe mal davon aus, dass es eine Frau war) wohl dabei beschäftigt, was hat sie gedacht, sich gewünscht, hatte sie Gesellschaft zum Erzählen und Lachen? Hat sie vielleicht für ihre Aussteuer gearbeitet? Voll Vorfreude oder war ihr vielleicht Angst und Bange?

Ich finde es toll, mir die Geschichten vorzustellen, die in diesen Laken stecken, und die Menschen dahinter. Ein Teil der Laken trägt sogar gestickte Initialen.

Einige der Laken haben leider im Laufe der Jahre Stockflecken bekommen, deshalb wusste ich lange nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Aber jetzt hat zumindest ein Teil des Stoffs eine neue Verwendung gefunden: Als Vorhänge für unsere Schlafzimmerfenster.

Ich wollte möglichst viel von den Eigenschaften des Stoffs sichtbar halten, deshalb habe ich einfach die ursprüngliche Webbreite belassen (die zum Glück genau vor’s Fenster passt) und nur die Länge angepasst. Ein paar Schlaufen dazu, fertig ist der Vorhang.

Mein Mann hat mir passend dazu Birkenäste als Gardinenstangen besorgt und mit Hilfe des Herbstmädchens zurechtgeschnitten und glattgeschmirgelt. Aufgehängt wurde das Ganze mit Jutekordel, weil ich es möglichst natürlich haben wollte, und Karabinern aus dem Klettersortiment – weil wir cool sind 🙂

Ich freue mich, dass die alten Laken nun ein zweites Leben bekommen haben. Es ist noch einiges an verwendbarem Stoff übrig und die Wohnung hat noch mehr Fenster…wer weiß, was kommt!